Shrew Soft VPN-Client unter Windows 11: Klappt die Verbindung noch?
Schon 2023 – also vor mittlerweile über drei Jahren – habe ich mich in einer dreiteiligen Blogserie (FRITZ!Box VPN mit Windows 11 – Nicht ohne Hürden) intensiv mit der Einrichtung und den Tücken des Shrew Soft Clients unter Microsoft Windows 11 beschäftigt. Doch obwohl sich die IT-Welt seitdem entscheidend weitergedreht hat, ist das Interesse an der veralteten VPN-Soft von Shrew Soft (letztes Update im Jahr 2013!) bei einigen Nutzern weiterhin ungebrochen. So melden einige interessierte Leser des Adiccon-Blogs, dass es ihnen auf einigen Win 11 Geräten möglich ist, mit dem besagten VPN-Client eine gesicherte Verbindung aufzubauen. An dieser Stelle kamen mir einige Fragen in den Sinn:
- Habe ich in meinem zurückliegenden Artikel einen Umstand beschrieben, der unzutreffend ist?
- Wenn es eine Behelfslösung zur Nutzung der Software gibt, welche Konfiguration im Betriebssystem oder in der Anwendung könnte man vornehmen, um den Client betreiben zu können?
- Ist es ratsam, Shrew Soft VPN-Client zu wenden?
Zeit für ein längst überfälliges Update: Funktioniert der VPN-Klassiker unter Microsofts aktuellem Betriebssystem doch noch und wenn ja, unter welchen Umständen? Ich habe mir die technische Lage angeschaut und zeige in diesem Blog-Beitrag, was man zu diesem Thema wissen muss.
Das Hauptproblem: Warum Shrew Soft unter Windows 11 streikt
Die Antwort auf die erste Eingangsfrage lautet kurz gesagt: Nein, der Shrew Soft VPN-Client funktioniert unter Windows 11 von Haus aus nicht mehr.
Wer die Software installiert und versucht, einen Tunnel aufzubauen, kämpft meist mit einem schnellen und vollständigen Ausfall der Netzwerkverbindung. Das gesamte System verliert den Internetzugang. Die Gründe dafür liegen tief im System von Windows 11:
- Veraltete Treiber-Architektur
Der Shrew Soft VPN-Client bringt bei der Installation den sogenannten Shrew Soft Lightweight Filter mit. Windows 11 nutzt jedoch das neuere Treibermodell NetAdapterCx. Der veraltete Filter-Treiber von Shrew Soft ist dazu inkompatibel, blockiert die physikalische Netzwerkschnittstelle und verhindert unter anderem die automatische IP-Vergabe (DHCP).
- Kein Support mehr (End of Life)
Der Entwickler hat das Projekt bereits vor vielen Jahren eingestellt. Das letzte offizielle Update (Version 2.2.2) erschien im Jahr 2013 – zu einer Zeit, als an Windows 11 noch lange nicht zu denken war.
- Veraltete Sicherheitsprotokolle
Shrew Soft nutzt das in die Jahre gekommene Protokoll IKEv1. Moderne Betriebssysteme und Router setzen aus Sicherheitsgründen längst auf IKEv2 oder gänzlich neuere Standards.
Gibt es einen Workaround für den Shrew Soft VPN-Client?
Wie in der Einleitung beschrieben, erreichen mich Leserkommentare, die über eine erfolgreiche Nutzung des VPN-Clients unter Windows 11 berichten. Um der Sache nachzugehen, habe ich in Foren und IT-Blogs recherchiert und bin dort auf Konfigurationsbeschreibungen und Systemkonstellationen gestoßen, mit der man die Software doch noch zum Laufen bringen kann. Diese sind jedoch mit Risiken verbunden und können an anderer Stelle zu Problemen führen:
- Netzwerk-Treiber downgraden: Einige Nutzer berichten von Erfolgen, indem sie den Netzwerkkartentreiber unter Windows 11 manuell auf eine ältere NDIS-Version zurückstufen. Das kann zwar funktionieren, führt jedoch häufig zu Systeminstabilitäten oder Problemen bei künftigen Windows-Updates.
- Nutzung externer USB-LAN-Adapter: Gelegentlich klappt die Verbindung, wenn eine externe USB-Netzwerkkarte verwendet wird, deren Treiber anders mit dem Shrew-Soft-Filter interagiert.
Wichtiger Sicherheitshinweis: Selbst, wenn ein Workaround gelingt, nutzt man hier eine Software, die seit über einer Dekade keine Sicherheits-Patches mehr erhalten hat. Für den Einsatz in sensiblen Netzen ist das ein erhebliches Sicherheitsrisiko.
Die besten Alternativen unter Windows 11
Da die Weiterverwendung von Shrew Soft weder komfortabel noch sicher ist, sollten man auf moderne Alternativen umsteigen:
- WireGuard: Extrem schnell, schlank und unkompliziert einzurichten. Viele moderne Router (wie z. B. AVM Fritz!Boxen ab FRITZ!OS 7.50) unterstützen WireGuard bereits nativ.
- Integrierter Windows 11 VPN-Client: Windows bringt von Haus aus Unterstützung für neuere Standards wie IKEv2 mit. Die Einrichtung erfolgt direkt über die Systemeinstellungen ohne Zusatzsoftware.
- OpenVPN: Der Open-Source-Standard ist hochsicher, flexibel konfigurierbar und wird unter Windows 11 aktiv gepflegt.
- Herstellereigene Clients: Viele Gateway-Hersteller (z. B. NCP, Fortinet oder Cisco) bieten eigene, an Windows 11 angepasste Clients an.
Fazit: Zeit für den Umstieg
Der Shrew Soft VPN-Client hat über Jahre hinweg treue Dienste geleistet, ist unter Windows 11 jedoch endgültig im Ruhestand angekommen. Experimentelle Workarounds sind fehleranfällig und stellen ein Sicherheitsrisiko dar.
Mein Tipp: Man sollte den Wechsel auf Windows 11 als Gelegenheit nutzen, die eigene VPN-Infrastruktur auf moderne Protokolle wie WireGuard oder IKEv2 umzustellen. Das spart Nerven bei der Einrichtung und sorgt für eine dauerhaft stabile sowie sichere Verbindung!

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