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Kategorisierung von VoIP-Providern
Sonntag, 12.03.2017

In dem vorangegangenen einführenden Blogartikel „VoIP-Provider in Deutschland“ wurde bereits die Vielzahl typischer Szenarien für die Erbringung von VoIP-Diensten illustriert. In diesem Beitrag soll dargestellt werden, wie die unterschiedlichen Akteure auf diesem Spielfeld kategorisiert werden können. Sie gewinnen einen Überblick über die Providerlandschaft mit ihren vielfältigen Produktionsweisen.

Mit dem Ziel, ihre eigene Kundenreichweite zu erhöhen, fahren viele Provider mehrgleisig. Sie bieten unterschiedlichste VoIP-Dienste oder VoIP-Vorprodukte in verschiedenen Bauformen an. Dadurch ist es nicht immer möglich, einen Provider eindeutig einer Kategorie zuzuordnen. Aus diesem Grund werden die Anbieter in einem ersten Schritt nur grob einer der folgenden sieben Kategorien zugewiesen.

Kategorie 1) Der Provider erbringt seine VoIP-Dienste überwiegend mit eigener VoIP-Infrastruktur. Vorprodukte anderer Provider werden nur in Ausnahmefällen in Anspruch genommen, um die Reichweite des eigenen Angebotes zu erhöhen. Dieser Kategorie können unter anderem die folgenden Firmen zugeordnet werden:

  • Deutsche Telekom AG mit eigenem DSL und FTTH Netzzugang.
  • Unitymedia GmbH und Vodafone Kabel Deutschland GmbH mit jeweils einem eigenem überregionalen HFC Netzzugang.
  • Tele Columbus AG Holding für städtische und regionale Kabel-Servicegesellschaften.
  • Sowohl NetCologne Ges. für Telekommunikation mbH als regionaler Provider im Raum Köln/Bonn als auch EWE AG als regionaler Provider im Nordwesten bauen ihre eigenen Glasfaser-Netzzugänge kontinuierlich aus und erschließen damit mittlerweile > 50% ihrer Kunden. Weitere Kunden werden über die TAL als Vorprodukt von der Deutsche Telekom AG erschlossen.
  • Weitere Provider dieser Kategorie sind u.a. Colt Technology Services GmbH sowie Innogy TelNet GmbH (RWE Highspeed).

 

Kategorie 2) Der Provider erbringt seine VoIP-Dienste überwiegend auf Netzzugängen von anderen Providern. Eigene Netzzugänge spielen nur eine untergeordnete Rolle. Dieser Kategorie können unter anderem die folgenden Unternehmen zugeordnet werden:

  • United Internet AG / 1&1 Internet SE als deutschlandweiter Anbieter von VoIP-Diensten überwiegend auf Grundlage von DSL Netzzugängen anderer Provider. Eigene Glasfaser Netzzugänge der Tochter 1&1 Versatel werden erst seit Mitte 2016 angeboten.
  • Telefónica Deutschland Holding AG (O2 DSL) sowie Vodafone GmbH als deutschlandweite Anbieter von VoIP-Diensten mit jeweils eigener VoIP-Infrastruktur bis hin zum Konzentratornetz beziehen die TAL als Vorprodukt von der Deutsche Telekom AG.
  • Weitere Provider dieser Kategorie sind u.a. QSC AGVerizon Deutschland GmbH sowie Deutsche Telefon Standard AG.

 

Kategorie 3) Der Provider erbringt VoIP-Dienste überwiegend als Reseller und nutzt somit in wesentlichen Teilen die VoIP-Infrastruktur anderer Provider. Lediglich einzelne Komponenten wie Endgeräte / Endgerätemanagement und OSS / BSS liegen in der Verantwortung des Providers. Ein Provider dieser Kategorie ist z.B. die congstar GmbH.

  • congstar GmbH betreibt seinen VoIP-Dienst auf der VoIP-Infrastruktur der Muttergesellschaft Deutsche Telekom AG.

 

Kategorie 4) Der Provider erbringt VoIP-Dienste überwiegend als reinen Dienst „Over-the-top“ über das Internet. Der Internetzugang ist nicht Teil des Dienstes. In diese Kategorie fällt z.B. die sipgate GmbH.

  • sipgate GmbH betreibt eigene VoIP-Applikationen und VoIP-Basis-Infrastruktur.

 

Kategorie 5) Der Provider erbringt überwiegend Vorleistungen für andere VoIP-Provider. VoIP-Dienste für Endkunden spielen nur eine untergeordnete Rolle. Dieser Kategorie können unter anderem viele der Stadtnetzbetreiber zugeordnet werden:

  • Netcom Kassel Gesellschaft für Telekommunikation mbH als Anbieter von Glasfaser Anschlussnetzen in Nordhessen.

 

Kategorie 6) Interconnection Carrier

  • Die Deutsche Telekom AG fungiert in vielen Fällen auch als nationaler und internationaler Interconnection-Partner für andere Provider.
  • Darüber hinaus leisten weitere internationale Interconnection-Carrier (z.B. Verizon Communications) ihren Beitrag zum VoIP-basierten Interconnection Verkehr.

 

Kategorie 7) Der Provider bietet nicht-nummernbasiert Telefonie als Dienst „Over-the-top“ über das Internet an. Hier stellt sich die Frage, in wie weit diese den gesetzlichen und regulatorischen Regeln der BNetzA unterliegen bzw. durch diese nicht abgedeckt werden. In diese Kategorie fallen z.B.

  • Microsoft Corporation hat mit Skype einen Dienst im Angebot, der Telefonie auch in das Festnetz- und Mobilfunknetze ermöglicht.
  • WhatsApp Inc. (Tochter der Facebook Inc.) bietet neben Massaging- auch einen Telefoniedienst an.
Autor
Gerald Klunker
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