In Teil 2 im unserer Serie „Von der Handvermittlung zu All–IP” konnten Sie über die Entwicklung des Selbstwähl-Ferndienstes (SWFD) lesen. Hier erfahren Sie nun den weiteren Schritt in die digitale Welt der Sprachübertragung.

Mit der Einführung der Digitalen Vermittlungsstellen (DIV), änderte sich die gesamte Struktur des deutschen Fernsprechnetzes. Anstelle von Zentral-, Haupt, Knoten- und Ortsvermittlungsstellen, wurden nun digitale Fern- und Ortsvermittlungsstelleneingesetzt. Gängige Bezeichnungen hierfür waren auch Transit- und Access Vst. Der Unterschied lag darin, dass Fern-Vstn keine Kundenzugänge hatten und nur dazu genutzt wurden, dass Routing der langen Wegstrecke zu übernehmen. Orts- oder auch Access-Vermittlungsstellen waren auf der einen Seite mit den Fern-Vstn gekoppelt, auf der anderen Seite wurden die Teilnehmeranschlussleitungen terminiert.

Das Konzept der Orts-Vstn lag darin, dass sogenannte Mutter-Vstn eingesetzt wurden, welche gleich mehrere Gemeinden versorgten. Allerdings gab es hier physikalische Einschränkungen, da durch die verwendeten Kupferleitungen aufgrund von Leitungswiderstand und Dämpfung eine gute Signalübertragung über längere Strecken nicht möglich war. Deshalb setze man abgesetzte Einheiten (Konzentratoren) ein, welche das empfangene Signal verstärkten und zum Teilnehmer weiterleiteten. Die Übertragungstechnik, die hier angewendet wurde, war die Puls-Code-Modulation (PCM30). Hier wurden analoge Signale, erzeugt durch die Stimme und umgesetzt in elektrische Ströme, durch ein Kohlemikrofon mit der doppelten Frequenz in gleichen Abständen abgetastet, mit 8 Bit–Wörtern kodiert, entsprechend in 256 Stufen quantisiert und in 125µs kleinen Zeitschlitzen übertragen.

Auf der Gegenseite der Übertragungsstrecke wird dann das Signal auf dem entgegengesetzten Weg wieder in ein analoges Signal umgewandelt, welches über eine Hörkapsel ausgegeben wird. Da das Signal nicht zu 100 Prozent dem Original entspricht und synthetisch erzeugt wird, klingt die Übertragung auch nur ähnlich.

Digitale Vermittlungsstelle (Nortel)

Die digitale Sprachübertragung mittels ISDN hat eine hohe Qualität. Dennoch gibt es Einschränkungen, die es letztlich unattraktiv machen. Jede Verbindung ist eine leitungsvermittelte Verbindung, welche nur für ein Telefonat benötigt wird. Das heißt, dass man ein relativ großes Netz nur für Telefonie zur Verfügung stellen muss. Datenübertragung wurde zwar auch schon über Telefonleitungen durchgeführt, aber auch hier bestand das Problem, dass die Leitung belegt war, selbst wenn gerade keine Daten übertragen wurden.

Aus diesem Grund baute man parallel zum Telefonfestnetz Datennetze auf, die nur zur Datenübertragung genutzt wurden. Allerdings hatte man nun mehrere Netze zu pflegen und in standzuhalten, was wiederum höhere Kosten bedeutete. Deshalb beschloss man die Entwicklung einer paketvermittelten Sprachübertragung und damit die Bildung von konvergenten Netzen.

Demnächst auf adiccon.de:

Lesen Sie im vierten und letzten Teil, wie die Sprachübermittlung mittels IP – Paketen die gesamte Telekommunikationswelt verändert.